Nachhaltige Produkte und die Entwicklung

“Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.”
Brundtland-Kommission, 1987

Wir wollen Neues schaffen. Doch so ganz ohne Regeln kann der Innovationsprozess in der Produktentwicklung dennoch nicht laufen. Denn gerade jetzt wo sich die Folgen des Klimawandels immer deutlicher zeigen, wird der Nachhaltigkeitsfaktor ein immer wichtigerer Bestandteil unserer Arbeitsweise und auch der der gesamten Industrie. Doch wie genau geht das überhaupt zusammen – Technologien und Nachhaltigkeit?

Dreieck der Nachhaltigkeit

Wenn wir über das große Buzzword Nachhaltigkeit sprechen, meinen wir dabei häufig vor allem den Umweltschutz. Allerdings zeigt das Modell des Dreiecks der Nachhaltigkeit deutlich auf, dass hier eine Vernetzung verschiedener Ebenen zusammenfließt. Denn laut dieses Konzepts muss Umweltschutz immer auch mit wirtschaftlicher Vereinbarkeit gedacht werden, genauso wie die sozialen Probleme der Gesellschaft berücksichtigt werden müssen.

Erst wenn alle drei Faktoren in einem gesunden Gleichgewicht stehen, können die Ziele der Nachhaltigkeit auch konkret verfolgt werden. Deswegen ist eine langfristige Planung wirtschaftlicher Ziele stets an ökologische Ziele gekoppelt, aber eben auch an die Arbeitsbedingungen der produzierenden Menschen.

nachhaltige Produkte

Nachhaltige Produkte im Aufschwung

Schon 2017 wurden in Deutschland laut einer Berechnung von INFRAS und dem Umweltbundesamt ein Umsatz von 26,7 Millionen Euro durch grüne Produkte erzielt. Tendenz klar steigend.

 

Dass man das Thema der Nachhaltigkeit ohnehin nicht einfach wegignorieren kann, zeigen die Zahlen der Fridays For Future-Generationen: Rund 48% der 30-39-Jährigen und 41% der 18-29-Jährigen würde für nachhaltige Produkte auch mehr bezahlen. Während der Pandemie haben sich diese Interessen sogar in die Tat umgesetzt: Bei der großen Umfrage der Statista gab jede:r Zweite an, den eigenen Konsum 2020 nachhaltiger ausgerichtet zu haben. Außerdem aufgepasst: Gar 26 % der 16-29-Jährigen schrecken auch nicht vor einem Boykott einer Firma zurück, die sich nicht nachhaltig positioniert.

 

Deutliche Zahlen, die branchenübergreifend Folgen mit sich bringen.

Nachhaltigkeit in Unternehmen

Immer mehr Unternehmen setzen sich bewusst nachhaltige Ziele – ganze 43% der Unternehmen bezeichnen Nachhaltigkeit sogar als Bestandteil der Unternehmensphilosophie (Statista). Die Außenwirkung spielt dabei aber häufig eine größere Rolle als das tatsächliche Bestreben. Stichwort: Green Washing. Wenn hinter dem vermeintlich grünen neuen Image nämlich nicht wirklich viel Substanz steckt, bleiben die kritischen Nachfragen nicht lange aus. Im besten Falle steckt hinter den großen Kampagnen deswegen mehr als nur eine Image-Politur.

 

Welche Möglichkeiten gibt es denn für Unternehmen, selbst aktiv zu werden? 

Insbesondere im Punkte der Mobilität stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung: Fahrrad statt Auto und wenn unbedingt Auto, dann mit Elektromobilität oder Hybrid. Unnötige Geschäftsreisen lieber vermeiden und stattdessen öfter mal auf Videotelefonie zurückgreifen.

 

Im sonstigen Büro-Alltag können schon Entscheidungen für Öko-Strom, Recyclingpapier oder Second Hand-Möbel den Unterschied machen. Allesamt Bestreben, die gerade bei mittelständischen Unternehmen mit einer gewissen Belegschaftsgröße deutliche Zeichen setzen – vermutlich aber auch eher intern als extern. Allerdings sollten derartige Einstellungen vor allem bei Konzernen auch schon beinahe vorausgesetzt werden dürfen. Mit einer gewissen Größe kommt schließlich auch eine gewisse Verantwortung.

 

Um nun aber auch die Zielgruppe die eigene Überzeugung  darzulegen, kann man auch direkt einen Blick auf die eigenen Produkte und Dienstleistungen werfen. Ressourcenschonende Alternativen, eine umweltschonende Produktion oder die Nutzung alternativer Energiequellen können hier schon wahre Wunder bewirken. Und das nicht nur ausschließlich im ökologischen Sinne. Denn tatsächlich zeigt eine Studie des LBBW-Research, dass nachhaltige Unternehmen auf Dauer erfolgreicher sind: Neben dem profitablen Image ist vor allem auf die Ausrichtung auf die Zukunft lukrativ. Jetzt schon Umweltfaktoren mit ins Geschäftsmodell einberechnen, kann sogar ganze Unternehmen retten.

 

Konkret profitieren die Unternehmen auf unterschiedliche Weise von einer nachhaltigen Ausrichtung:

  • Effizienzsteigerung durch Reduzierung von Kosten und Verschwendung
  • langfristige geschäftliche Rentabilität anstatt kurzfristige Strategien
  • frühzeitig auf baldige Regulationen vorbereiten
  • Kostensenkung durch leistungsstärkere Produkte 
  • Attraktivität für neue Kund:innen und Partner steigern

 

Aber: Vor allem im Bereich Naturkosmetik, Kleidung oder Lebensmittel ist die Nachhaltigkeit ein großes Thema für die Einzelperson (Statista). Wie sieht das Ganze denn bei Industrieunternehmen und ihrem Output aus?

Blickpunkt Mechatronik: Nachhaltige Technologien

Sowohl im Energiesektor als auch in der Mobilität, der Abfallwirtschaft oder der Rohstoffverarbeitung ist der Trend genau so deutlich erkennbar. So unterschiedliche ihre Produkte, so ähnlich das Ziel: eine klimabewusste Transformation bisheriger Abläufe und Produkte. Zusammengefasst werden diese Technologien unter dem Oberbegriff Green Tech.

 

Im Kern der meisten Entwicklungen steht immer wieder eine Abkehr bisheriger Abläufe. Vor allem die kontinuierliche Automatisierung mit Hilfe von Elektromotoren und anderen Technologien ist hier ein wichtiges Instrument. Im Rahmen von Smart Home und Big Data werden zudem diverse Alltagsgegenstände stetig intelligenter, um Energiefresser nachhaltiger zu gestalten. 


Auch im Städtebau zieht sich diese Entwicklung fort, denn mit Hilfe von IoT und Big Data können gesamte Infrastrukturen energieeffizienter gestaltet werden.


Als Beispiele für nachhaltige Technologie-Innovationen können zum Beispiel folgende gezählt werden: 

  • CloudFisher 
  • Fairphone
  • Augmented Reality
  • grüne Suchmaschinen
  • energiesparende Transformatorenkerne

Nachhaltigkeit in der Produktion

Im Rahmen der Industrie 4.0 werden diverse Fertigungsprozesse digitalisiert. Mithilfe unterschiedlicher Technologien können so Etappen der Produktionsanlagen selbstständig Reparaturen veranlassen oder sogar Material nachbestellen. Das ist nicht nur kosten- sondern auch ressourcensparend. Am Ende steht die Vision einer Verschmelzung von virtuellen und realen Welt, die nach Wasser- und Dampfkraft, der Massenproduktion und schließlich der Digitalisierung die vierte Epoche der Industrie einläuten soll.

Dennoch – Produktion kann nicht nur durch neuartige Technologien nachhaltiger werden. Denn schon frühzeitig auf die verwendeten Rohstoffe zu achten – und dabei beispielsweise bestimmte Metalle und vor allem Erdöl zu vermeiden – hat meist einen noch größeren Einfluss. Ganz im Sinne des Dreiecks der Nachhaltigkeit werden dabei auch stets ökonomische und soziale Aspekte genannt, die schon hier beginnen. Doch auch im Laufe der gesamten Projektplanung, also beginnend bei der Entwicklung über die Nutzung bis zur Entsorgung können alle Schritte nachhaltig gedacht werden. Um diesen Anspruch konkret zu verfolgen, helfen viele verschiedene Konzepte und Methoden.

Wichtige Konzepte und Methoden in der nachhaltigen Produktentwicklung

Mit welchen Mitteln und Leitfäden können Unternehmen die eigene Reduzierung der Umweltbelastung nun konkret nachverfolgen und festhalten? Auch hier gibt es ganz verschiedene MIttel und Wege, die auf ihre eigene Art und Weise zielführend sein können. Einige der wichtigsten Begriffe rund um dieses Thema sind im Folgenden aufgeführt.

Beispiele bekannter Innovationen

Unser gesamtes Leben ist von Innovationen gezeichnet, denn jedes einzelne Objekt des alltäglichen Gebrauchs ist zuvor viele Entwicklungsebenen durchschritten. Welchen großen Einfluss Innovationen tatsächlich auf die gesamte Gesellschaft haben können, zeigt ein Blick auf die folgenden drei Phänomene.

Ökobilanzen

Die Ökobilanzen bewerten ein Produkt in Bezug auf seine nachhaltige Produktion. Dafür berücksichtigen sie sowohl alle relevanten potenziellen Schadwirkungen als auch alle Stoffströme, die mit dem betrachteten System verbunden sind. Laut dem Umweltbundesamt wird diese Kennzahl u.a. zur Produktbewertung bei der Vergabe des Blauen Engels verwendet. Dafür ist sie auch international genormt und kann nach ISO-Standards gemessen werden.

Product Carbon Footprints

Im beschreibenden Titel ist es bereits erkennbar: Der Product Carbon Footprint möchte alle Treibhausgasemissionen zusammenfassen, die ein Produkt nach sich zieht. Dafür werden sowohl die direkten Emissionen bei der internen Produktion (Scope 1), als auch solche externer Anbieter beispielsweise im Energiesektor (Scope 2) oder bei der Produktnutzung selbst (Scope 3) betrachtet. Neben dem PCF gibt es auch den Corporate Carbon Footprint, der gleich ein gesamtes Unternehmen analysiert und verbessernde Maßnahmen empfiehlt.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Diese Liste an politischen Zielsetzungen wurden von den Vereinten Nationen beschlossen und umfassen verschiedene Bereiche der nachhaltigen Entwicklung. Konkret soll diese Agenda weltweit bis 2030 umgesetzt werden. Sie umfassen grob die folgenden Forderungen:

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen für alle
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. Sauberes Wasser und Sanitär-Einrichtungen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltiger Konsum
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser erhalten
  15. Leben an Land schützen
  16. Friede, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

QFD-Methode

Mit der Quality Function Deployment-Methode können konkret Kund:innenwünsche und – anforderungen in der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Dafür werden auch die Angebote der Konkurrenz betrachtet, um explizite Handlungsvorschläge angeben zu können. Im finalen House of Quality fügen sich alle Ergebnisse zu einem großen Bild zusammen.

LCA

Die Lebenszyklusanalyse oder auch kurz LCA ist die systematische Analyse, die die gesamten Umweltauswirkungen eines Produkts von der Erfindung bis zum Recycling betrachtet. Von der Herstellung über die Auslieferung, Benutzung, Entsorgung und dem Recycling wird dabei alles explizit betrachtet. Auch wenn sich hier viele Daten auf grobe Schätzungen berufen, können konkrete Handlungsempfehlungen formuliert werden.

Stoffstromanalysen

Mit Hilfe dieses systemanalytischen Verfahrens werden Stoff- und Materialströme erfasst, die mit bestimmten Produkten oder Verfahren verbunden sind. Dadurch können explizite Aussagen über die Flüsse und die Umweltwirkungen getroffen werden, was wiederum die Grundlage für eine nachhaltigere Produktion sein kann. Anders als die Ökobilanz ist die Stoffstromanalyse allerdings nicht international genormt.

Nachhaltiges Supply Chain Management

Mit diesem Prozess wird das Management aller Materialien, Informationen, Prozessen und Kapitalflüssen bezeichnet, die entlang der Lieferkette eines Unternehmens entstehen. Dafür werden sowohl ökonomische und ökologische als auch soziale Nachhaltigkeitsbedürfnisse betrachtet. Dabei steht die Effizienz zwar weiterhin im Vordergrund, allerdings soll in der gesamten Organisation eines Projekts auch stets die Nachhaltigkeit als wichtige Komponente mitgedacht werde

Kreislaufwirtschaft

Um der schnelllebigen Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken, setzt das Modell der Kreislaufwirtschaft auf eine andere Art der Produktnutzung. Dafür werden Produkte nicht einfach entsorgt, sondern möglichst repariert, aufgearbeitet, recycelt oder wiederverwendet. Zusätzlich sollen Produkte generell langlebiger konstruiert werden

Der digitale Kaffee

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