Wie funktioniert Produktentwicklung

“Produktentwicklung ist die Möglichkeit, durch neue Produkte oder Verbesserung bestehender Produkte auf bestehenden Märkten Wachstum zu realisieren.” Gabler Wirtschaftslexikon

Bevor ein neues Produkt den Einstieg in den Markt meistern kann, steht im Unternehmen ein komplexer und vielseitiger Prozess an. Meist entwickelt ein interdisziplinäres Team schrittweise alle einzelnen Komponenten, um den Anforderungen des Marktes und der Zielgruppe gerecht zu werden. Dass sich diese aber gerade aktuell ständig verändern, stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Wir werfen einen Blick auf die Phasen der Produktentwicklung, ihre aktuellen Entwicklungen und die wichtigsten Methoden und Fachbegriffe.

Phasen der Produktentwicklung

Die Produktentwicklung ist ein langwieriger und meist sehr vielschichtiger Prozess. Dieser wird klassisch in vier Phasen eingeteilt, die natürlich je nach Branche unterschiedliche Faktoren beinhalten.

Phase 1: Konzept

Am Anfang jedes neuen Produkts steht eine Idee – oder zumindest die Feststellung eines Problems, für die ein Produkt die Lösung bieten soll. Mit einer vagen Idee kommen Unternehmen in der Produktentwicklung natürlich nicht weit. Deswegen wird sie direkt im ersten Schritt auf ihre technische Umsetzbarkeit überprüft. In dieser Validierung werden auch erste Problemstellen festgestellt und dokumentiert. Auf diese muss im weiteren Produktionsverlauf besonders Acht gegeben werden. 


Unternehmen, die sich dem Design Thinking verschreiben, fokussieren sich schon in dieser ersten Phase auf die Bedürfnisse der potentiellen Nutzer:innen. Alle Ideen und Ansätze werden also insbesondere hinsichtlich ihrer Auswirkungen und Möglichkeiten für die Kund:innen diskutiert und konzipiert. Am Ende dieser Phase steht somit ein klarer Fahrplan für die konkrete Umsetzung des Produkts.

Phase 2: Konstruktion

Von den vielen Ideen, Zielen und Träumen auf dem Papier geht es in der zweiten Phase über in die Konstruktion und somit zu den ersten handfesten Beweisen des neuen Produkts. Bei Ingenieur:innen und anderen Entwickler:innen werden an dieser Stelle die CAD-Programme angeschmissen, um aus den Ideen und Forderungen zumindest im digitalen Raum eine konkrete Form zu erschaffen. 

 

Je nach Produktart können an dieser Stelle vor allem erste Angaben darüber getroffen werden, welche Bauteile und Elemente bei den Zulieferern bestellt werden müssen. Bei Firmen, die alles selbst herstellen, wird hingegen die technische Umsetzung vor Ort vorgenommen. Am Ende dieses Schritts steht häufig ein erster Prototyp, der nun auf seine Nützlichkeit und mögliche Fehler überprüft werden kann.

Phase 3: Simulation

Bevor es ins große Feld geht, simulieren Produktentwickler:innen den üblichen Gebrauch des Produkts mit Hilfe verschiedener Möglichkeiten wie 3D-Druckern, diversen Programmen oder Test-Kund:innen. In einigen Branchen erfolgt diese Simulation sogar noch vor dem ersten Prototypen, um Zeit und Kosten einzusparen.

Phase 4: Produktion

Erst wenn alle vorzeitig erkennbaren Fehlerquellen aufgespürt und möglichst eliminiert wurden, kann die Produktion starten. Da meist auch wirtschaftliche Gründe gegen das ideale Produkt sprechen, fokussieren sich Entwickler:innen auf das Minimum Viable Product, kurz MVP. Dieses bildet die Schnittstelle zwischen dem idealen Entwurf und dem umsetzbaren Produkt. So ist das Ergebnis aus pragmatischer Sicht das hochwertigste.

Agile Produktentwicklung

Als eine der wichtigsten Arten der Produktentwicklung ist die agile Methodik bei vielen Unternehmen die beliebteste Wahl. Dabei unterscheidet sich die agile Produktentwicklung ganz grundlegend von der klassischen Herangehensweise. Statt nämlich von Anfang an alle Phasen klar zu definieren und inhaltliche Vorgaben zu formulieren, werkelt das Team hier iterativ an der idealen Problemlösung. 

 

Schritt für Schritt werden so gleich verschiedene  Ideen und Herangehensweisen validiert und simuliert, anstatt sich direkt zu Beginn auf eine zu fixieren. Eine unumstößliche Planungssicherheit ist für die Auftragsgeber:innen also nicht erwartbar, allerdings entstehen in dem Prozess der Produktentwicklung ohnehin stetig unvorhersehbare Hürden und Problemlagen. Diese nimmt die agile Produktentwicklung vorweg und arbeitet sie lieber nach und nach ab.

Durch die Rückkopplungsprozesse, in denen sich kurze Planungs- und Entwicklungsphasen kontinuierlich abwechseln, entstehen gleich mehrere Vorteile für die Unternehmen:

  • Entwicklungszyklen werden verkürzt
  • eine kontinuierliche Wertschöpfung ist möglich
  • eine direkte Kommunikation mit den Anwender:innen ist durchgehend gefordert -> der Markt bekommt also, was er will
  • potentielle Risiken werden minimiert
  • Geschäftsziele müssen von Anfang an so klar definiert sein, dass Anforderungen an das Produkt einfach und effizient abgelesen werden können -> selbst hinterfragen, was überhaupt das Ziel sein soll

Die wichtigsten Methoden in der Produktentwicklung

Um in der Produktentwicklung wirklich mitsprechen zu können, muss man sich – natürlich – auch mit einigen Fachbegriffen auseinandersetzen. Die folgenden Methoden gehören dabei meist zum Standard-Repertoire aller Entwickler:innen und finden in den unterschiedlichsten Kombinationen gebrauch.

Design Thinking

Beim Design Thinking ist der Kunde König. Denn Entwickler:innen, die sich auf diese Methode berufen, versuchen, den Blickwinkel der Kund:innen einzunehmen. Dadurch können mögliche Bedürfnisse erkannt, aber auch Problematiken enthüllt werden. Ganz ohne direkte Testkund:innen hilft das Design Thinking dabei, den letztendlichen Nutzen eines Produkts zu erkennen.

Google-Design Sprints

In fünf Tagen zum perfekten Produkt: Mit den Google-Design Sprints soll genau das möglich werden. Jake Knapp, ehemals Projektmanager bei Google Ventures, führte dieses Prinzip ein, das mittlerweile vielfach kopiert wird. Innerhalb von fünf Tagen durchschreitet ein Team hier alle Phasen: Vom Verstehen der Zielgruppe, über die Ideenentwicklung bis zum Prototypen und schließlich einer Überprüfung durch die Zielgruppe. Unter (Zeit-)Druck entstehen eben Diamanten.

Lean Startup

Zielführend und kostensparend durch die Produktentwicklung soll es mit der Methode Lean Startup gehen. Diese will in Anlehnung an das Design Thinking Kundenfeedback schon früh in die Prozesse integrieren. Durch diese kontinuierliche Rückmeldung und das permanente Testen können Projekte schlank (engl.: lean) gehalten werden. Dadurch sollen Fehler und somit auch Zusatzkosten von Anfang an vermieden werden.

Scrum

Scrum gehört zu den bekanntesten Methoden in der agilen Produktentwicklung. Dafür werden klare Rahmenbedingungen geschaffen, in denen ein vielseitiges Team gemeinsam an einer Aufgabe arbeitet. Dieses Team bestehte aus einem Scrum Master, den Entwickler:innen und dem Product Owner, der wiederum mit den Stakeholdern in Kontakt steht. Die Anforderungen des Product Owners versuchen die Entwickler:innen in maximal vierwöchigen Sprints mit verschiedenen Etappen umzusetzen. Wenn das Ergebnis am Ende überzeugt, gilt das Projekt als abgeschlossen. Ansonsten beginnt der Prozess von vorne.

Nachhaltige Produktentwicklung

Laut einer Ernst & Young Studie würden 68% der deutschen Verbraucher:innen grundsätzlich mehr bezahlen, wenn ein Produkt der Umwelt nachweislich keinen Schaden zufügt. (Quelle: https://www.ey.com/de_de/news/2020/05/ey-nachhaltiger-konsum-2020)

Unternehmen können es sich also alleine aus diesem Grund immer weniger leisten, Nachhaltigkeit bei ihrer Produktion auszuklammern. Doch neben den ethisch-ökologischen Bedürfnissen der Zielgruppe sollte auch die eigene Anforderung sein, den Carbon Footprint zu verbessern.

Für alle, die kein Green Washing sondern ernsthafte Nachhaltigkeit betreiben wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Allesamt können in allen Phasen der Produktentwicklung berücksichtigt werden.

  • lange Lebenszyklen
    Anstelle Wegwerfprodukte zu entwerfen, können vor allem langlebige Alternativen für eine deutlich geringere Umweltbelastung sorgen. 
  • sparsamer Ressourceneinsatz
    Anstelle aus dem Vollen zu schöpfen kann eine präzise Projektplanung zu einem reduzierten Ressourcenverbrauch führen.
  • niedriger Energieaufwand bei Herstellung

Mit Hilfe alternativer Energien oder einer generellen Überarbeitung der bisherigen Prozesse kann auch im Rahmen der Herstellung nachhaltiger gearbeitet werden.

  • umweltfreundliche Logistik/Lieferketten

Alle einzelnen Etappen, die ein Produkt durchläuft, spielen am Ende auf seinen Carbon Footprint ein. Auch beim Lagern und Liefern sind deswegen umweltfreundliche Alternativen von großer Wichtigkeit.

  • abfallvermeidende Produktion

Viel Abfall führt meist zu wenig nachhaltiger Entsorgung. Um dies zu vermeiden, können deswegen direkt zu Beginn Maßnahmen zur Müllvermeidung angewendet werden.

  • Reparaturfähigkeit
    Produkte herzustellen, die nur unter hohem Kostenaufwand oder sogar gar nicht repariert werden können, ist wenig nachhaltig. Selbst wenn also bei der Nutzung Probleme auftreten, sollten Unternehmen für eine Reparatur sorgen können.
  • Recyclefähigkeit
    Wo landet unser Müll? Oft bereitet die Antwort auf diese Frage Unbehagen. Im besten Falle denkt ihr bei euren Produkten deswegen auch direkt über ihr Lebensende nach.
  • Arbeitsbedingungen bei der Produktion
    Nachhaltigkeit ist mehr als nur Umweltschutz. Auch bei den sozialen Auswirkungen soll sich etwas ändern. Und deswegen sollten menschenwürdige Arbeitsbedingungen zum absoluten Standard gehören – egal in welchem Land ihr produziert. 
  • Auswirkungen des Produkts bei der Benutzung
    Welche Schäden verursacht euer Produkt, sobald die Kund:innen es verwenden? Auch diese Verantwortung können Unternehmen nicht länger von sich schieben.

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